Eine (lehrreiche) Geschichte aus der guten, alten «Offline-Zeit»

Anfangs 90er Jahre hatte ich mir einen zusätzlichen Erwerbszweig als Kunstkatalog-Produzent erschlossen. KünstlerInnen, die es erstmals wagten, ihre Arbeiten in einem Katalog zu dokumentieren, dafür jedoch zuwenig Knowhow und auch Geld hatten, nahmen meine Dienste dabei in Anspruch.

Ich machte mit ihnen zusammen das Gestaltungskonzept, holte die notwendigen (Förder-)Gelder herein und gestaltete mit ihnen zusammen den Katalog. Damals hiess das noch «Desktop-Publishing». Anfangs hatte ich es gar nicht im Sinne, die Kataloge auch noch selbst zu gestalten, obwohl ich mir es als DTP-Pionier der Region Basel durchaus zutraute. So suchte ich also zuerst geeignete GrafikerInnen, die das vorliegende Gestaltungskonzept umsetzen sollten. Doch ich – wie auch die sich mir anvertrauenden KünstlerInnen – waren mit deren Entwürfen selten glücklich.

Wenn sich Dienstleister plötzlich als Künstler sehen

Die GrafikerInnen sahen sich ausnahmslos auch als Künstler und wollten mit viel grafischem Brimborium ihre eigene Marke setzen. Ein Eisenplastiker brachte es damals auf den Punkt: Ich mache Kunst und die (Katalog-)BetrachterInnen sollen nicht von meinem Kunstwerken abgelenkt werden. Punkt.

Was hat das nun mit einer Website zu tun?

Ganz viel, finde ich. Wenn ich mir die Webauftritte von Künstlern, Kunstinstitutionen wie auch Museen anschaue, fällt mir auf, dass auch hier die beauftragten Webdesigner Kunst machen möchten. Meistens beginnen solche Webauftritte mit einem furiosen Intro. Hand aufs Herz. Wer schaut sich solches schon an? Der erste Reflex ist doch, den Intro-Überspring-Button zu suchen. Als Besucher möchte ich nämlich nur eines: Mir Informationen, Lösungen für ein Problem, Anregungen holen.

Also, liebe Website-InhaberInnen: Internet-Kunstwerke brauchts nicht, Inhalte sind gefragt,  denn die BesucherInnen suchen in erster Linie nach Informationen, Lösungen für ein Problem, Anregungen.

Foto: Peggy_Marco / Pixabay, Lizenz: CC0 Public Domain

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